8. Juli Auto, Bahn und Rad

Ein politisches Tagebuch zu schreiben, macht durchaus Freude. Es zwingt einen dazu, die vielen politischen und gesellschaftlichen Informationen eines Tages zu gewichten und daraus auszuwählen. Und wie bei einem normalen Tagebuch gibt es auch Tage, da gibt es keine Einträge.

Gestern stand in der IVZ Interessantes zu lesen: „Zebrastreifen sind unfallträchtiger“ sagen die Behörden. Im Artikel geht es um zwei Anträge der CDU „zur Verkehrssicherheit auf der Heerstraße und der Alten Poststraße“. Für mich war der Artikel sehr informativ. Und er veranlaßte mich dazu, mich selbst innerlich zur Vorsicht zu rufen. Und sozusagen „das Kleingedruckte“ und leicht zu Übersehene immer mit zu bedenken. Denn die Dinge sind nicht so einfach wie sie scheinen…  – Wie gesagt: das geht nicht gegen die sinnvollen Überlegungen der CDU im Blick auf Verkehrssicherheit in Westerkappeln, sondern es geht an mich selbst. Die Dinge sind im Detail oft komplizierter als in der großen Idee.

Was also ist der Stand der Dinge? Zwischen dem K+Kmarkt und dem Lidl gibt es in der Mitte der Heerstraße eine Insel als „Querungshilfe“ für Fußgänger und Radfahrer. Die CDU hatte beantragt, diese „durch einen Zebrastreifen zu ersetzen. Begründung: Diese Verkehrsinsel werde oft genutzt, biete Fußgängern jedoch keinen vollständigen Schutz“. Ein Zebrastreifen, so der Gedanke hinter dem Antrag, vermeide Mißverständnisse, ob Autofahrer halten sollen oder nicht und „schaffe mehr Klarheit und damit Sicherheit“ für alle Verkehrsteilnehmer.

Nun geben das Straßenverkehrsamt in Steinfurt und der Landesbetrieb Straßen NRW übereinstimmend die Auskunft: „Zebrastreifen seien unfallträchtiger“. Annette Große-Heitmeyer gab ihrem Erstaunen über diese Einschätzung laut IVZ Ausdruck, fand „die Argumentation dann aber schlüssig“, auch weil Zebrastreifen womöglich „den Eindruck falscher Sicherheit“ vermittelten.

Im übrigen – so ein zweiter erstaunlicher Hinweis – lasse „das Verkehrsaufkommen auf der Heerstraße in Relation zur Zahl der Fußgänger die Anlegung eines Zebrastreifens“ nicht zu. Das bedeutet doch wohl im Klartext: Es sind zu viele Autos unterwegs und zu wenig Fußgänger. Die geringe Zahl der Fußgänger, die über die Straße wollen, lasse es nicht zu, den Autoverkehr zu behindern.

Das zeigt das ganze Ausmaß des Dilemmas: Die Verbrauchermärkte an der Heerstraße ziehen Käufer aus der Umgebung an, z.B. aus Bramsche. Die kommen mit dem Auto, nutzen den großzügigen Parkplatz, kaufen bei Aldi, Edeka und Co ein und fahren wieder nach Hause, z.B. nach Bramsche. Westerkappeln hat davon viel Autoverkehr und wenig Gewinn für den Ortskern. Eine Verbindung zwischen „neuem Zentrum“ und altem Ortskern durch Zebrastreifen herzustellen, ist nicht möglich, weil zu wenige Menschen zu Fuß gehen. Und wer aus Mettingen oder Bramsche nach Westerkappeln zum Einkaufen geht – genauer: fährt! -, der kommt mit dem Auto und wegen der Parkplätze, nicht wegen eines attraktiven Ortes.

Ich selber „quere“ den Ortskern mehrmals täglich mit dem Fahrrad – berufsbedingt auf dem Weg nach Büren oder von Büren. Meine Route führt mich am DM vorbei über den Parkplatz von DM und K+K zur Verkehrsinsel, dann über die Alte Poststraße in den Bullerteich und die Handfriedenstraße, um dann über den Gartenmoorweg den Napoleondamm zu befahren. Aus Wersen kommend fahre ich meistens über die Hanfriedenstraße, quere die Bullerteichstraße und fahre über die Neustädter Straße bei Priggemeyer vorbei und über den Kirchplatz Richtung Fußgängerampel bei Krug. Dabei zeigt sich: Es sind wenig Radfahrer unterwegs in Westerkappeln. Das Auto dominiert den Ort. Und das, obwohl Autos auch nicht richtig vorankommen. Auf der Osnabrücker Straße gibt es inzwischen einige Ampeln, die den Verkehrsfluß ins Stocken geraten lassen.

Manch einer sieht mich zuweilen auf dem Rad, denn wann immer es geht, fahre ich mit dem Rad, nach Büren und Mettingen aber auch nach Osnabrück. In diesem Zusammenhang muß ich auf den Ansinnen der Bürgergemeinschaft zurückkommen, die laut IVZ vom 6. Juli den Ausbau der Bahntrasse der Tecklenburger Nordbahn zur einem Radschnellweg favorisiert. Abgesehen davon, dass auch hier das Kleingedruckte wichtig ist – auf einem Radschnellweg darf es keine Kreuzungen geben – er ist analog zu den Autobahnen kreuzungsfrei – und infolgedessen müßte innerorts auf der Trasse mit Unterführungen oder Brücken gearbeitet werden, – abgesehen davon stehen mit dem Napoleondamm und dem Sennlicher Weg bis Wersen gute Radverbindungen nach Osnabrück bereit. Der Straßenbelag auf diesen Wegen ist nur teilweise so schlecht, dass es die Radfahrer arg durchrüttelt und schüttelt. Es wäre schon viel gewonnen, wenn hier der Straßenbelag so ausgebessert wird, dass Fahrräder auf diesen Straßen ruhig rollen. Und diejenigen, die nicht Rad fahren, überholen dann die Radler bequem mit dem Zug. So geht das zusammen: das Rad und die Bahn. Eine Bahntrasse, die noch nicht rückgebaut ist, in heutigen Zeiten noch zurück zu bauen, weist politisch in die 90er Jahre zurück. Wer sehen will, was der Bahnverkehr zu leisten vermag, sollte daher Richtung „Haller Willem“ schauen oder den Abschnitt  zwischen Telgte und Münster. Die Distanz Westerkappeln – Osnabrück unterscheidet sich da nur wenig. Eine reaktivierte Tecklenburger Nordbahn wird eine Erfolgsgeschichte, da sind wir Grünen uns  sicher.

Darum setzen wir uns dafür ein – und für gut ausgebaute und sichere Radwege.

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