7. Juli 2020

Die ZEIT widmet in ihrer aktuellen Ausgabe den GRÜNEN eine ganze Seite. Die Einschätzung der ZEIT: … so „sind die Grünen die Partei, an der voraussichtlich niemand vorbeikommt. (…) Diese Tatsache wiederum rückt eine andere Frage ins Zentrum: Wer wollen die Grünen sein?

Dies schon einmal vorweg: Die Grünen sind eine Partei, die sich gerade so rasant verändert wie keine andere, was erhebliche Folgen für das Parteiensystem und die Statik der Republik hat.“ (Robert Pausch, in Die ZEIT Nr. 28 vom 2. Juli2020, Seite 7)

Klar, die Wochenzeitung hat das große Ganze, die ganze Bundesrepublik und die Bundespolitik im Blick. Aber auch in Westerkappeln verändern sich die Grünen. Die Zahl der Mitglieder steigt und mit ihnen der Wunsch, in Westerkappeln endlich was zu bewegen in Richtung Nachhaltigkeit und mehr Lebensqualität. Wenn die Umfragen, die für das ganze Land erhoben werden, auch für Westerkappeln zutreffen, dann gilt wohl auch für uns Grüne hier:

wir sind „die Partei, an der voraussichtlich niemand vorbeikommt“.

Und die Menschen in Westerkappeln fragen sich: Was wollen die Grünen?

Die Frage können wir beantworten! Wir wollen eine aktive und mutige Antwort geben auf die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Die erste ist: Der Klimawandel findet statt. Wir müssen damit leben lernen und zugleich unseren Beitrag dazu leisten, die Erderwärmung zu verlangsamen. Und das bedeutet die Wiederbelebung einer alten Weisheit, die besagt: „weniger ist mehr“.

Es ist sinnvoll und gesund, weniger Fleisch zu essen als bisher. Es gibt zu viele Tiere in Deutschland, die wie „Produkte“ behandelt werden und nicht wie Lebewesen und Mitgeschöpfe. Es darf die Art von Tierhaltung, wie wir sie betreiben, keine Zukunft haben. „Massentierhaltung“ und die täglichen Tiertransporte z. B. jeden Tag 26 000 Schweine nach Tönnies auf LKWs, auf denen die Tiere dichtgedrängt stehen und zum Schlachthof gefahren werden, ist aus der Sicht der Grünen ein Irrweg gewesen. Mit ihr geht die Problematik der Gülle einher und die Belastung des Grundwassers, ganz abgesehen von der Frage des Tierwohls. Wer so mit Lebewesen umgeht wie wir Menschen hierzulande, der tut sich selbst keinen Gefallen.

Das bedeutet nicht Verzicht auf Fleisch. Es bedeutet nur: Es werden weniger Tiere gehalten in einer Art, die teurer ist und die das Fleisch teurer macht, die aber eben auch deutlich macht: Leben ist uns was wert und es ist kostbar, auch das Leben der Schweine und Rinder und Hühner. “Weniger ist mehr“. Landwirte produzieren nicht mehr für den „Weltmarkt“, sondern sie sorgen für die Menschen in der Region. Wir brauchen keine „Export-Weltmeister“ zu sein bei Lebensmitteln. Unsere Landwirte könnten für Lebensmittel sorgen, die auf gesunden Böden in vielfältiger Fruchtfolge wachsen und reifen, die gut schmecken und die gesund sind und vorwiegend regional vermarktet werden. Natürlich müßten wir Verbraucherinnen und Verbraucher wieder mehr Geld für Lebensmittel ausgeben und weniger Geld z.B. für’s Auto. Das könnte schon dadurch geschehen, dass wir uns zum Einkaufen auf das Fahrrad setzen und zum Einkaufen im Ort fahren. Das tut gut, ist ebenfalls gesund und spart (Benzin)-Geld. Es spart Kosten und ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz und zur eigenen Gesundheit. Der Verzicht auf’s Auto ist also kein Verzicht, sondern ein Gewinn.

So könnte praktisch das aussehen, was der ZEIT-autor beobachtet: Die Grünen planen, „sich an die Spitze eines politisch—psychologischen Hegemoniewechsels in der Gesellschaft zu setzen“. Das meint: Die Grünen wollen die Führung übernehmen, wenn es darum geht, Alternativen zum klimaschädlichen, umweltzerstörerischen und darum auch für uns Menschen lebensgefährlichen und nahezu selbstmörderischen Lebensstil zu entwickeln. Das fängt in der Psyche, im Bewußtsein an. Wir müssen eine neue Wertigkeit entwickeln. Das Wohl eines Tiers muß uns mehr wert sein als nur 5 Euro pro Kilo Fleisch. Wir machen gerne Urlaub in Deutschland mit dem Fahrrad, weil der Flug nach Ägypten oder in die Türkei das Klima belastet und es in diesen Ländern so heiß ist, wie es in Deutschland bitte nicht werden möge.

Tatsächlich machen immer mehr Menschen Urlaub in Deutschland. Der Tourismus boomt, der Verkauf von Fahrrädern hat sich um 300 % erhöht, die Autoindustrie steckt in einer Krise, die wohl kein Ende nehmen wird.

Damit zeigen sich jetzt schon Entwicklungen, auf die wir Grünen in Westerkappeln reagieren möchten. Z. B. indem wir Landwirte ermutigen, nicht größere Ställe zu bauen, sondern mehr Ferienwohnungen. Menschen aus den Städten werden es  zu schätzen wissen, wenn es die Höfe tatsächlich gibt, die ihre Kinder nur aus dem Bilderbuch vom Vorlesen kennen. Das Land hat ungeahnte Chancen. Die ins Bewußtsein zu rücken und in Westerkappeln zu nutzen, das wollen die Grünen hier. Als ein Beispiel.

Denn wer Urlaub in Seeste oder Obermetten macht, der möchte auch einen Ort haben, der attraktiv ist und der ihm vieles bietet an Einkaufsmöglichkeiten und Cafés und Restaurants. Wie hat es Ferdinand Blanke in seinem Steckbrief treffend formuliert: „Es hängt alles mit allem zusammen“. (Natürlich wäre es schön, wenn das Fahrrad, mit dem die Touristen kommen, im Falle eines Falles auch in Westerkappeln repariert werden könnte). Das alles zeigt: Die Grünen sehen nicht in neuen Gewerbegebieten die Zukunft Westerkappelns, sondern in anderen Bereichen.

Die Zeit entdeckt bei den Grünen also neue Themen: Es gehe uns um „Sicherheit, Schutz, Kollektivität“. Stimmt. Es geht uns Grüne darum, eine neue Sicherheit zu gewinnen im Umgang mit dem Leben. Es geht uns um eine Vertreibung der Angst vor der Zukunft. Die Zukunft kommt nicht als Katastrophe uns entgegen, wenn wir den Schutz der Grundlagen des Lebens erhöhen und unseren Beitrag leisten zum Schutz der Umwelt und der Natur und der Ökosysteme. Das geht – allerdings nur mit einem Umdenken:  weniger Fleisch essen, weniger fliegen, weniger Auto fahren, weniger verbrauchen, weniger wegwerfen, weniger unnützes Billig-zeug kaufen, weniger Plastik benutzten… und also: besseres Essen kaufen, frisch und kaum verpackt. Sich selbst mehr bewegen, zu Fuß und mit dem Rad. Das Leben vor Ort so schön gestalten, dass ich nicht jedes Jahr dreimal wegfahren muß. Weniger kann so viel schöner sein! – Grüne Spinnereein? – So sagte man wohl vor 20 Jahren. In 20 Jahren wird man das nicht mehr sagen. Da wird man sagen: Hätten wir mal… – warum haben wir nicht!

Ich höre meine Kritiker sagen: Komm zum Ende. Also mache ich morgen oder übermorgen weiter und schließe heute mit einem Zitat aus dem Artikel:

„In der Fleischindustrie, der Maskenbeschaffung und der Impfmittelforschung gilt: Unterregulierung erzeugt Freiheitsverluste, staatliches Zu-spät oder Nicht-handeln produziert Nebenfolgen, die sich zu Krisen auswachsen. (…)

Die Grünen wenden sich (in ihrem neuen Grundsatzprogramm) gegen die Profitlogik in der Daseinsvorsorge, sie fordern, Grund und Boden verstärkt in öffentlichen Besitz zu überführen, sie möchten Produktionen rückverlagern, und sie wollen, dass Waren und Dienstleistungen ‚von allgemeinem Interesse‘ von Marktmechanismen und Wettbewerb ausgenommen bleiben‘.

Stimmt alles. Wir wollen eine Welt, die nicht „vom Markt“ und „vom Geld“ regiert und zerstört wird, sondern wir wollen eine Welt, in der Menschen darüber reden, was das Leben wertvoll und kostbar macht. Und wenn wir das klar haben, wollen wir die Politik für ein solches Leben gestalten. Das fängt in Westerkappeln an mit einem schönen Ortskern, mit guten Verkehrsbedingungen, mit einer anderen Landwirtschaft und Tierhaltung…

Jetzt ist aber Schluß!

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